I am more than my skin

In der heutigen Kolumne möchte ich mit euch über ein Thema reden, das sehr intim ist und dennoch immer öffentlich präsent war: mein Hautbild. …aber du kennst das ja mit der schlechten Haut.“ sagt eine Freundin neulich zu mir, geistesgegenwärtig nickte ich und stimmte ihr zu, weil sie Recht hatte. Ich halte inne. Ich lebe mit einem Stigma, das ich selbst seit langer Zeit nicht mehr bewusst wahrgenommen hatte. Heute blicke ich zurück, auf ein halbes Leben mit Akne und den Umgang damit.

Es soll dabei nicht um kosmetischen oder gar medizinischen Rat gehen, denn Akne ist eine sehr individuelle Erkrankung, die auf vielfältigen Ursachen basiert und eine entsprechende Behandlung benötigt. Es existiert kein absolutes Allheilmittel dagegen. Ich hoffe ihr könnt es verstehen und vorallem auch respektieren, dass ich aus Selbstschutz kein Bildmaterial posten möchte, auf dem die Hauterkrankung erkennbar ist. Es ist und bleibt ein wunder Punkt, der mich und mein Leben geprägt hat, wenn auch nicht mehr vordergründig. Für Betroffene habe ich dennoch positive Nachrichten, als ich diesen Beitrag verfasse, muss ich sehr lange grübeln. Ein Zeichen dafür, dass die Narben mit der Zeit auch wieder verblassen, sowohl physisch als auch psychisch.

Es fing etwa mit meinem 12. Geburtstag an, auf meiner Stirn entdeckte ich die ersten Mitesser. Ich machte mir nichts daraus, dachte das würde mit einer gründlicheren Reinigung der Haut schon wieder vergehen. Bereits ein paar Monate später hatte sich die Akne neben meiner Stirn, auch auf den kompletten Schultern ausgebreitet. Langsam wurde das Ganze doch bedenklich, ich handelte so, sowie es jeder anderer Mensch an meiner Stelle auch getan hätte. Verschiedene Salben und Waschlotionen aus der Drogerie wurden also angewendet. Nichts davon half. Zusammen mit meiner Mutter suchte ich alle Hautärzte im ganzen Landkreis auf. Nichts davon half. Von diesem Moment an, begann ein jahrelanger Spiesrutenlauf. Es war nie ein kompletter sozialer Rückzug, aber ich war unsichtbar. Absichtlich. In dieser Zeit gab es viele Selbstzweifel, Ängste und Unsicherheiten, es flossen Tränen getrieben vom Mobbing. Die Akne dominierte mein Leben. Die Akne war mein Leben – und umgekehrt. Die Tatsache, dass ich in meiner frühen Jugend darunter gelitten habe, ist sicherlich nicht abstreitbar.

Nachdem sich mein Hautbild nach schier unendlich vielen Therapien und Behandlungen sich nicht bessern wollte, war es wohl an der Zeit zu erkennen, dass sich für ein stärkeres Selbstbewusstsein nicht meine Haut, sondern meine Einstellung sich ändern musste. Ich fing an mich über andere Stärken & Interessen zu definieren. Die Akne war sicher weiterhin eine Eigenschaft von mir, aber ich war mehr, mehr als eine Person die Akne hatte. Diese Veränderung hat mich und meine Art zu Denken sehr geprägt, auch Mitmenschen habe ich nun mit anderen Augen  gesehen. Der Blickwinkel wurde differenzierter und toleranter gegenüber Andersartigkeit und Individualität. Ich habe versucht, einen Menschen nicht sofort nur nach seinen Äußerlichkeiten zu bewerten, wie ich es vorher getan hätte. (Diese Einstellung und Haltung aufrechtzuerhalten gelingt mir natürlich selbst heute noch nicht immer zu 100%.)

Dieser Prozess hat sich nicht von heute auf morgen ergeben, sondern ist das Resultat, das sich nach jahrelanger Reflektion entwickelt hat. Irgendwann vergeht die Wut auf einen selbst, weil man diese Hauterkrankung hat. Sobald der Punkt der (Selbst)Akzeptanz erreicht ist, ist die Akne sowieso nur noch etwas sehr zweitrangiges im Selbstbild, was kaum noch Anspruch auf Beachtung hat. Die Akne hat so eine marginale Bedeutung wie in dem Setting, das in der Einleitung beschrieben wurde.

Mit meinen 25 Jahren habe ich das Jugendalter längst überschritten; Mein Hautbild schwankt phasenweise dennoch sehr stark, daran hat sich in den letzten 12 Jahren nicht viel geändert. Nur begegne ich der Akne nun mit einer deutlich größeren Brise Gelassenheit.

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Ein Kommentar

  1. Danke für deinen Beitrag, Thi. Ich leide seitdem ich 11 bin an Akne und erst in den letzten zwei Jahren hat es sich sehr gebessert. Zwar hatte ich nie so eine schwere Ausprägung wie du, doch am Rücken und teils am Dekolleté hab ich es immer noch. Natürlich im Gesicht, aber wie gesagt, es liegen mittlerweile Welten dazwischen.
    Du hast recht, man mich sich selbst damit akzeptieren, dann kann man damit auch viel besser umgehen.

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