Travel Guide: Vietnam

Seit mittlerweile einem Monat bin ich zurück aus meiner vierwöchigen Asienreise :-). Ich habe lange überlegt wie genau ich die Blogeinträge gestalten soll und es tut mir leid, dass es solange gedauert hat. Nun habe ich mich dafür entschieden, in diesem ein paar grundlegende Dinge zu erwähnen, falls ihr Vietnam als Reiseziel in Erwägung zieht. Anschließend wird es noch eine dreiteilige Travel Diary Serie mit vielen Bildern online gehen :-). Ich bin mit mit vielen Erwartungen ins Flugzeug gestiegen, auf der Suche nach meinen Wurzeln. Dabei bin ich wie eine ethnologische Forscherin (das habe ich übrigens im Kurs „kulturelle Bildung“ gelernt hoho) vorgegangen, ich habe mich einfach blind auf alles eingelassen, versucht nur wahrzunehmen ohne zu bewerten. Die Reise hat wirklich viel Spaß gemacht, ich habe jede Sekunde voll ausgekostet und versucht mehr über das Land und die Leute zu erfahren. Gewohnt habe ich bei einer meiner Tante in einem Vorort von der Hauptstadt Hanoi, wir haben noch einen Strandurlaub in Nha Trang gemacht und anschließend die Stadt Dalat besucht.

Folgende Dinge solltet ihr neben den gängigen Bedingungen (Planung, Langstreckenflug, Kosten, Visum usw.) beachten, wenn ihr gerne nach Vietnam reisen würdet. Es gibt nicht für alle genannten Punkte einen empirischen Beleg, einiges davon ist auch nur meine subjektive Einschätzung.

#Witterung
In Vietnam ist es in den Monaten Juni, Juli und August extrem heiß, etwa 30-43°C. Es sind nicht diese wie in Deutschland gewohnten Juhu-lass-uns-den-ganzen-Tag-am-See-liegen Hitzewellen, sondern solche, dass ein auf die Straße gehen von ca. 11-17 Uhr kaum möglich ist. Das liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit, die sehr aufs Gemüt schlägt. Deshalb halten die Vietnamesen meistens einen Mittagsschlaf, die Stände am Markt machen auch am frühen Vormittag zu. Obwohl ich ein Mensch bin, der sehr wenig schwitzt, habe ich 2x täglich geduscht, weil dieses „kleben“ nur schwer für mich erträglich war. Wer sehr Hitze- oder Sonnenempfindlich ist, sollte sich vielleicht einen anderen Zeitpunkt für die Reise aussuchen.

#Lärm
In Deutschland lebe in einer Kleinstadt bei Nürnberg und genieße täglich die idyllische Ruhe, wenn nicht gerade WM oder EM ist. Ich bin also nicht einmal den „Feierlärm“ gewöhnt, da ich nicht direkt in der Stadt wohne. In Vietnam erlebte ich genau das Gegenteil, allein schon der Vekehrslärm ist unfassbar laut, die Vietnamesen liebe es zu hupen, haha. Zudem sprechen Vietnamesen auch sehr laut im Vergleich zu Deutschen. An manchen Ecken tönte aus Lautsprechern „Gratis Radio/Musik“, man ist also permanent einem gewissen Geräuschpegel ausgesetzt. Das macht sich eben stark bemerkbar, wenn man in Deutschland aus einer ländlichen Gegend kommt.

#Hygiene
Von meinen vorherigen Reisen nach Vietnam bin ich immer noch geprägt, in Sachen Hygiene. Das ist für mich ein Punkt indem ich sehr unflexibel bin. Vietnam ist ein unfassbar staubiges Land, allein deswegen setzt sich überall viel Dreck an. Auch die Vorstellung von Sauberkeit ist eine andere, meine Tante hatte ein modernes Bad, jedoch benutzen Vietnamesen keine Duschkabinen, sondern einfach so im Bad, sodass alles nass wird und aufgrund der Witterungsbedingungen dann zum müffeln anfängt. Mäuse und Kakerlaken lassen sich wohl leider auch nicht vermeiden. Ich habe es so gut es ging, vermieden auf öffentliche Toiletten zu gehen, auch wenn das Restaurant von vorne ganz nett aussah, so waren die Sanitäranlagen umso ekliger. Ihr solltet euch auch bewusst werden, Vietnam ist ein Land das unfassbar stinkt! Fisch und Fleisch werden zum Beispiel am Markt ohne Kühlung verkauft und beides fängt nach einiger Zeit in der Sonne eben an zu riechen. Auch der ganze Müll auf den Straßen fängt irgendwann an zu gammeln. Es empfiehlt sich einfach, sich vorher damit auseinander zu setzen und sich seelisch darauf einzustellen.

#Ernährung
Beim Essen habe ich die größte Weiterentwicklung gesehen. Mittlerweile sind viele westliche Essgewohnheiten in Vietnam angekommen, es gibt viele Fastfood Buden, Pizzerien und den Supermärkten findet man eine Vielzahl an westlichen Lebensmitteln, wer kein asiatisches verträgt oder mag, muss also nicht verhungern. Ich persönlich stehe dem etwas kritisch gegenüber, weil ich es sehr schade finde, dass durch diese Verwestlichung auch ein Stück Esskultur verloren geht. Beispielsweise gibt es kaum noch Stände die das traditionelle „Banh Mi“ vertreiben, weil mehr Burger oder Döner konsumiert wird. Die klassische vietnamesische Bubble Tea Version wurde leider auch von den großen taiwanesischen Bubble Tea Ketten abgelöst. Sehr im Trend sind auch aktuell Buffetangebote mit Mischmasch Küche, das hat mir gar nicht gefallen, ich habe meine Familie daraufhin gebeten, dass ich gerne bei den einheimischen Lokalen oder Streetfood Ständen essen möchte. Es gibt über die vietnamesischen Gastro Guide Seiten foodly oder lozi die Möglichkeit die neuesten Trend Lokale aufzusuchen.

#Umweltschutz & Tierschutz
Mich hat der Plastikkonsum von den Vietnamesen wirklich sehr schockiert, darin sehen sie wohl ihre Modernisierung. Früher ist man mit seiner Bentobox oder Schüssel direkt zum Stand gegangen und hat sich darin das Essen mitgenommen. Nun wird einfach alles in Plastikbecher abgefüllt dazu gibt es noch Plastik Besteck und das ganze kommt noch in eine Plastiktüte. In größeren Shoppingzentren werden Handtaschen in Folie eingeschweißt um Diebstählen entgegen zu wirken. Hilfe! Was mir wirklich sehr zu schaffen gemacht hat, war der Umgang mit den Tieren. Von den letzten Besuchen weiß ich bereits, dass Katzen und Hunde gerne über Nacht angekettet werden. Als ich in Nha Trang gesehen habe wie ein Straßencafe Inhaber seinen Hund beschimpft und gequält hat, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. In diesem Moment bin ich wirklich an meine Grenzen gekommen und wollte einfach nur auf der Stelle nach Hause! Es ist für mich unvorstellbar wie respektlos man gegenüber einem anderen Lebewesen sein kann, unser Kater Elvis darf bei uns in unseren Betten schlafen, bekommt frischen Schinken und wird von uns bedingungslos über alles geliebt. Mir blutet das Herz bei dem Gedanken an die Tiere, die diese Erfahrung nicht erleben dürfen. Bitte versucht euch zu eurem eigenen Schutz den Tieren nicht zu nähern, denn sie sind durch die Schläge oft verwildert und lassen sich nicht anfassen.

#Kosten & Währung
In Vietnam gibt es die Währung Dong, je nach Kurs entspricht etwa 22000 – 28000 Dong einem Euro. Bei den Kosten für die Unterkunft kann ich euch keine genauen Angaben machen, da ich bei meiner Verwandtschaft gelebt habe. Beispielsweise haben wir in Nha Trang für ein luxuriöses 3 Bett Zimmer mit Meehblick etwa 20eu gezahlt, denselben Preis haben wir in Dalat für ein Ekelzimmer gezahlt. Das Essen ist relativ günstig, vorallem wenn ihr bei den einheimischen Lokalen oder Straßenständen esst, da kann man locker mit 6eu am Tag durchkommen. Die Menüs bei den Fastfoodketten kosten zum Teil nur ein Drittel von dem, was sie hier im Schnitt kosten. Das teuerste an der Reise ist also wirklich der Flug, der kostet in der Hauptsaison via Vietnam Airlines etwa 1000eu, dafür dürft ihr mit Handgepäck 52Kg Gepäck mitnehmen, ich hatte beim Hinflug 35Kg alleine nur für Geschenke, haha.

#Armut
Die Konfrontation mit der Kluft zwischen Reichtum und Armut war für mich auch nur sehr schwer ertragbar. In Vietnam sind diese beiden Extremen sehr gut zu erkennen und es fällt nicht leicht von der Sache Distanz zu nehmen. Geld spielt dort eine ziemlich große Rollen und so etwas wie Chancengleichheit gibt es wahrscheinlich nicht.

#Habitus
Schon in Deutschland war mir bewusst, dass es kulturelle Differenzen geben wird in Sachen Werte & Normen. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, von Deutschen/Europäern mit sozialisiert worden und habe dementsprechend andere Vorstellungen und Einstellungen. Dies verschärft sich besonders durch mein Studium der sozialen Arbeit. Ich persönlich halte viele „vietnamesische“ Verhaltensweisen für fragwürdig oder gar „pädagogisch wertlos“ wie zum Beispiel das permante (ungefragte) ausüben von Kritik, das habe ich sogar auf meinem Blog hier erlebt. Die Vietnamesen nehme ich zum Teil sehr ruppig und burschikos wahr, man wurde überall ständig angerempelt. Beim Anstehen bei Schlangen wurde gedrängelt und generell stufe ich das Verhalten als sehr „egoistisch“ ein, sehr mit Fokus auf den eigenen Vorteil als auf ein faires Miteinander. Das trifft natürlich nicht auf ein ganzes Volk zu, es gibt nachtürlich auch Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit.

#Familienbande
Dieser Punkt betrifft nur Vietnamesen, die im Ausland aufgewachsen sind und leben. Während ich in Deutschland sehr viel Wert auf meine Privatssphäre und meinem Freiraum lege, haben die Vietnamesen so etwas nur bedingt. Man macht einfach nahezu alles gemeinsam, als meine Cousine im vergangenem Jahr in Deutschland war, hatte sie bei uns ihr eigenes Zimmer, in Vietnam habe ich mit ihr das Zimmer geteilt. Doch ich habe mich schnell daran gewöhnt, dass ich immer mindestens eine Person um mich hatte, egal was ich gerade machte. Die Tür stand tagsüber offen, die Verwandtschaft (Erwachsene und Kinder) kamen und gingen wie sie Lust hatten. Mich hat es sehr gewundert, dass ich gar keinen Bedarf für Rückzug hatte, vielleicht habe ich mich aber auch einfach nur der Umgebung angepasst.

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7 Kommentare

  1. Oh was für ein wundervoller Post du Liebe! 🙂 Und ich kann in dir in allen Punkten nur zustimmen, gerade bei der Hygiene und den Tieren! Mir hat auch das Herz geblutet 🙁 Auch bei der Armut, es gab einen alten Mann der Lederschuhe auf der Straße für Passanten sauber gemacht hat, er war schon so alt und gebrechlich, ich konnte da auch nicht anders als weinen…weil diejenigen die seine Dienste in Anspruch genommen haben ihn angeguckt haben, als wäre er weniger wert. Hätte ich nicht geweint, hätte ich denen die Meinung gegeigt, sowas tut mir in der Seele weh, ich bin da echt nah am Wasser gebaut.. Ich finde es toll,d ass du darüber schreibst 🙂 ♥

  2. Das war aufjedenfall ein sehr interessanter Post. Vll sollte ich das auch mal mit Türkei machen wobei jeder schon einmal Urlaub in der Türkei gemacht hat. Vorallem den Part bzgl den Tieren kann ich dir nachempfinden. Das ist im Dorf/Stadt in der Türkei wo meine Verwandten leben genauso. Katzenbabys die an Müllcontainern leben und um ihr Leben miauen weil sie nichts mehr zu essen finden. Leider sind meine Verwandten dort auch nicht so sensibel gegenüber Tieren weshalb der Haushund welcher die Hühner bewacht sein leben lang an der Leine am Baum angekettet wird. Das zieht einen wirklich runter und ich versuche den Tieren auch immer etwas Aufmerksamkeit zu schenken oder futter zu geben. Aber man kann nunmal die Tiere von einem ganzen Dorf leider nicht retten :(((

  3. Sehr interessant. Und spannend, dass du auch die „negativen“ Seiten so klar benennen und definieren kannst. Oftmals verschließt man ja die Augen vor unbequemen Dingen, wenn man eine Reise macht.

    Vietnam wäre auch mal eine Reise für mich wert.

  4. Liebe Thi,

    ich hatte diesen Post sehr gerne gelesen. Die meisten Travelberichte zu Vietnam waren mir dann doch recht „oberflächlich“ gewesen. Meiner Meinung nach ist es immer eine andere Sache vor Ort zu „leben“ oder nur ein Tourist zu sein.

    Toll finde ich auch den Vergleich von früher und heute, da ich das letzte Mal 2002 in Vietnam war. Tatsächlich sehe ich häufig auf Facebook wie meine Cousins und Cousinen nur noch Fastfood essen gehen und es gar zelebrieren.

    Ich freue mich schon auf weitere Einblicke 🙂 !

  5. sehr interessanter post! ich war schon seit 4 jahren nicht mehr in vietnam und bin neugierig, wie sich das da alles verändert hat.
    inwiefern hast du kritik von vietnamesen auf deinen blog erlebt?
    jedenfalls ist urlaub in vietnam machen für mich auch immer wieder eine grenzerfahrung und herausforderung gewesen und auch wenn es schön ist vergeht mir nach deinem post ein bisschen die Lust auf vietnam, vor allem wegen der hygiene. 😀

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