body sensation

Anlässlich der totalen Überflutung an Instagram-Selbstoptimierungs-Accounts, möchte ich heute über das Thema Körpergefühl reden. Ich finde diesen Trend des Mager- und Fitnesswahns sehr gefährlich, insbesondere für junge Mädchen. Vor einem Jahr habe ich an einem Mädchen Flohmarkt teilgenommen und diese Hose {klick} verkauft. Es handelt sich dabei um ein One Size Produkt, das sehr elastisch ist und bei den europäischen Größen XS, S, M passt. Etliche Mädchen mit einer sehr tollen Figur liebäugelten mit dieser Short, doch keine hat sich getraut sie anzuprobieren geschweige denn zu kaufen. „Da passe ich doch niemals rein…“ – hörte mehrfach. Wie konnte das sein, dass sie nicht das sahen, was ich sah? Was genau bedeutet es eigentlich in der heutigen Gesellschaft im weiblichen Körper zu leben? – Ich möchte euch einen kleinen Einblick in meine ‚Körperbiografie‚ geben. Aus Gründen der Triggergefahr, gebe ich bewusst keine Größen- und Gewichtsangaben an.

Wenn ich dünn wäre, wäre ich voll der Mann.“ – sage ich immer scherzhaft. Denn ich habe breite Schultern und ein schmales flaches Becken. Doch bin ich eine Narzisstin weil ich mich trotzdem schön finde? Ist es Ordnung, dass mich der Blick in den Spiegel nicht quält?

 So thanks for making me a fighter

Es ist ein warmer Sommertag im Jahr 2005: Ich sitze mit einer Freundin auf einer Bank vor dem Freibad. Die Jeans zu Caprihosen hochgekrempelt, denn es ist  Hochsommer. Mein Kopf liegt in ihrem Schoß, sie kitzelt mich mit einer Haarsträhne, wir albern herum. Kichern über Jungs, regen uns auf über unfaire Notenverteilungen, zu wenig Taschengeld und zuviele Pickel. All das was 14 jährige Mädchen eben beschäftigt. Wir betraten das kühle Nass in dem Jahr kein einziges Mal, denn wir schämten uns für unsere Körper. Abgrundtief. Meine Freundin fand sich zu dick. Mit dem beginnenden Vegetarismus hatte ich stark abgenommen und jegliche Rundung verloren. Ich litt unter meiner sehr kleinen Oberweite, gepolsterte Bikinis gab es damals noch nicht. Auch meine Rückseite war sehr zart, mir gefiel das nicht. Ich wollte doch zeigen, dass ich ‚erwachsen‚ geworden war und steckte in diesem Körper fest, den ich nicht haben wollte. Die anderen Mädchen waren soviel weiter in ihrer Entwicklung, sahen älter aus. Das war alles was ich auch wollte, in eine Norm passen. Doch ich tat es nicht.

Fünf Jahre später: Ich bin in meinem Körper ‚angekommen‚ und habe auch an mehr Selbstvertrauen gewonnen. Das Gewicht ist gestiegen, mit der Körperform war ich zufrieden. Ich mochte mich. Bilder: 1, 2, 3, 4, 5 (Gewicht gehalten)

Einige Zeit später lebte ich in meiner ersten festen Partnerschaft. Die Leidenschaft zum Kochen wurde entdeckt. Ich verbrachte viel Zeit in der Küche und hatte auch keine sonderlichen Bedenken, denn ich habe einen sehr guten Stoffwechsel. Irgendwann hatte ich ohne es zu merken, die Kontrolle verloren. Es fing damit an, dass einige Klamotten nicht mehr passten. Auf Fotos bemerke ich ein Doppelkinn und Cellulite. Mein damaliger Freund stand nur auf dünne Mädchen. Mein Selbstbild und auch Selbstwert verrückte sich mehr und mehr zu einem Mensch ‚zweiter Klasse‚, ich konnte mich nicht mehr leiden, nicht weil es in Wirklichkeit so war, sondern weil es so von mir erwartet wurde. Auch mein soziales Umfeld hatte von der radikalen Gewichtszunahme (etwa 8-10kg) Kenntnis genommen. Von allen Seiten hagelte es bösartige Kritik, auch hier auf dem Blog blieb das nicht unkommentiert. Fett, Fett, Fett! – Ja, ich habe es schon verstanden, es ist ja nicht so, dass ich keinen Spiegel hätte. Für mich war das kein Ansporn, jeglicher Versuch abzunehmen blieb erfolglos. Das Ding war einfach, dass ich mich trotz der Zunahme schön fand und dieses Gefühl fühlte sich wiederum falsch an. Ich war gefangen in einem Teufelskreis. Bilder: 1, 2, 3, 4, 5 (schleichende Gewichtszunahme)

Find your peace of soul

Nach der Trennung habe ich innerhalb kürzester Zeit schlagartig 5kg abgenommen, das geht bei mir bei ernsthaften (Liebes)kummer immer sehr schnell. Ich habe versucht mein Gewicht zu halten, aber das schwankt ziemlich oft, schätzungsweise bewege ich mich in einem Rahmen von +/-4kg. Die Waage betrete ich nur zwei Mal im Jahr, weil es mich schlichtergreifend nicht interessiert. Einer nichtige Zahl sollten wir nicht soviel Macht zuschreiben, jedenfalls möchte ich nicht, dass mein Leben durch Zahlen dominiert wird. Bei Pimkie trage ich Hosengröße 34, bei C&A 36 und bei H&M 38 mit Atemnot, anhand dieses simplen Beispiels ist zu erkennen, dass Zahlen doch sowas von egal ist. Die Essenz ist, dass ich meinen Körper nicht durch eine Zahl eine definieren muss, weil ihre Richtigkeit sowieso nur bedingt ist. Bilder: 1, 2, 3, 4 (Gewichtsabnahme)

Ich bin nicht perfekt und will es auch nicht sein. Die Tatsache, dass ich ein absoluter Genussmensch bin, wird sich niemals ändern. Ich koche und backe gerne, genau sowie ich gerne außerhalb essen gehe. Einmal die Woche gehe ich zu einem Zumbakurs, in den warmen Monaten verbringe 3-6 Mal die Woche eine Stunde auf den Inline Skates. Nicht um mich großartig zu verändern, sondern um die Balance zu halten. Ich mag mich und meinen Körper wieder, bedingungslos.

Was mich die Reise durch meinen Körper gelehrt hat ist, dass wir die Pflicht aber vorallem auch gleichzeitig das Recht haben, uns selbst zu lieben, egal welche Form unsere Körper haben. Solange wir uns in einer persönlich gesetzten Grenze zwischen Extremen bewegen und uns dabei wohl fühlen, ist alles in Ordnung. Kein Mensch hat das Recht darüber zu bestimmen, wie unsere Körper auszusehen haben. Kein Schönheitsideal kann uns vorschreiben an welchen Stellen wir schlank sein müssen und an welchen üppig. Doch die Erlaubnis uns selbst gut zu finden, müssen wir uns selbst erteilen.

Und wollt ihr jetzt etwas richtig schönes sehen?
– Schaut doch ‚mal in den Spiegel ♥!

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16 Kommentare

  1. Richtig schöner Post! x3
    Da ist einfach nicht mehr hinzuzufügen, auch wenn ich auf dem Weg der Abnahme bin *hust* Aber es einfach wie du schon sagtest, man muss seinen Körper selber schön finden und sich nicht von Medien etc. beeinflussen lassen.

    Bleib dir weiterhin selbst treu. 🙂

  2. Es tut so gut zu lesen, das jemand anderes so denkt wie ich in dieser verückten Welt!
    Dein letzer Satz „Doch die Erlaubnis uns selbst gut zu finden, müssen wir uns selbst urteilen“ werde ich mir aufschreiben und jedem sagen der in einer schwierigen Situation sich befindet!

    Ich bin zwarbsehr zufrieden mit meinem Körper, auch wenn ich wie du eine zeitkan extrem zugenommen habe, in diesem zeitpunkt habe ich mich trotzdem wohlgefühlt – habe aber gemerkt das mein umfeld dasnicht so toll fand, und als ich meine Ernährung umgestellt habe (vegetarisch) habe ich ein paar kilos verloren – das ist meinem umfeld sofort aufgefallen und ich wurde mit komplimenten überhauft, aber ehrlich gesagt hat mich das teilweise verletzt, denn war ich vorher mit den kilos auch nicht schon schön? Und wieso geben sie mir komplimente, obwohl sie gar nicht wissen ob ich mich mit meinem jetztgen körper wohlfühle?
    Long story short – ich bin in deiner meinung haha 🙂

  3. Das ist wirklich ein so schwieriges Thema… grad durch die Branche in der ich arbeite erlebe ich ja auch sehr viel, höre sehr viel und manches ist einfach erschreckend. Wenn Mädels im Vorzimmer einer Agentur darüber beratschlagen, wie sie vorm nächsten Besuch eines Modelagenten aus Mailand möglichst viel abnehmen können und das dann auch noch eine Agentin mitkriegt und dazu nur meint: macht das ruhig, aber sagt das nicht offen. Dann frage ich mich schon was denn eigentlich los ist da draußen…

  4. Ich verfolge deine Einträge ja schon länger sporadisch und finde sie sie immer sehr sympathisch. Auch wenn unsere Geschmäcker sehr auseinander gehen. Und das ist toll dass ich mir öfter mal denke „die ist wirklich hübsch, aber der Lippenstift…! Warum findet sie den gleichen noch mal toll?“ Menschen die alles gaaaaaaaanz toll finden sind oft die die immer über doch selbst meckern.
    Aber danke dir dein Statement! Vor allem das mit Bildern so darzulegen finde ich toll, wichtig und leider auch immer noch mutig.
    Ich selbst bin unzufrieden mit mir und finde mich oft nicht schön. Allerdings deswegen weil ich gewichtstechnisch so vieles was ich möchte nicht tun kann und nicht tragen kann und mich einfach unwohl fühle. Ich habe keine Ahnung wo ich mit den Gewicht hin will. Mein Ziel? So viel ist wenig dass ich mal Klamotten kaufen kann die ich hübsch finde und nicht nur danach zu shoppen was passt uns Dinge tun die ich möchte ohne dass mir Kilos im weg stehen. Am dem Tag kann ich mich dann nicht nur partiell sondern uneingeschränkt schön finden.
    Und so was wie von dir zu lesen hilft doch immer wieder sehr sich bis dahin doch schon an und an mal wunderschön zu finden.
    Danke!

  5. Das war wirklich ein wunderbarer und ehrlicher Beitrag. Daumen hoch für alle Vorkämpferinnen einer schönen Lebensart – denn nur diese führt meines Erachtens auch zum persönlichen Wohlfühlkörper.

    … und ganz ehrlich. Was ist das für eine Welt, in der man sich nicht seine kleinen und großen :cake2: – Sünden gönnen darf, ohne gleich von Freunden/Bekannten schräg angeschaut zu werden, wenn man sein Gewicht nicht immer auf +/-O hält??

  6. Der erste Schritt, sich erstmal selbst schön zu finden ist sooo wichtig und so viele Leute ignorieren das. Aber wenn man sich nicht selbst schön findet, wie kann man dann verlangen, dass es andere tun?

  7. Ein tolles Thema das du richtig toll geschrieben hast. Ich kämpfe auch immer wieder mit meinem Gewicht, aber naja…. irgendwie muss man sich halt akzeptieren wie man ist. 🙂

  8. Wow. Ich war bisher immer nur eine stille Mitleserin, aber zu diesem Thema will ich mich auch äußern 😉 gleich vorweg: ich bin etwa 1,70 groß und wiege 60kg immer mal wieder +/-2 kg. und bin damit eigentlich auch zufrieden. eigentlich. bis ich meine beste Freundin sehe, die immer wieder neue Diäten ausprobiert. Oder Kumpels, die sich gegenseitig mit Oberarmumfang übertrumpfen wollen. Da habe ich manchmal einfach das Gefühl nicht zu der Gruppe dazu zu gehören. einfach nur weil ich zufrieden mit mir selbst bin. Ich mag meinen Bauch zwar auch nicht sonderlich gerne wegen der paar kleinen Speckröllchen, aber immernoch lieber als wenn man meine schon von weitem Rippen sehen könnte.

    aber bevor das zu viel wird 😉 danke für den post. ist ne tolle Aufmunterung an viele Mädchen (meiner Meinung nach)

  9. Jeder ist irgendwo unzufrieden mit seinem Körper, einige ändern was dran und legen sich unter’s Messer. Andere versuchen damit zu leben. Ich gehöre zu der Sorte. Ich bin eher jemand, der ganz schnell abnimmt, besonders bei Stress und Schlafmangel. Leider kann ich nicht so einfach zunehmen, egal was und wieviel ich esse. Es gibt viele, die mich darum beneiden, jedoch hatte ich oft mit meinem Gewicht zu kämpfen, versuche zuzunehmen, doch meist ohne Erfolg. Von daher habe ich gelernt, damit zu leben. Sehr schöner Post 🙂
    xoxo Lynda
    http://www.fashion-petite.blogspot.com/

  10. Super Post 🙂
    Und ich verstehe es total, das Ding mit der Gesellschaft und was diese einem vorschreiben will.
    Ist bei mir mit dem Gewicht zwar nicht so, aber mit der Oberweite. Manchmal frage ich mich, ob die ganzen Mädels, die ich kenne ihre Brüste machen lassen wollen, weil sie es selber nicht schön finden oder weil jeder meint D Brüste wären schön.
    Habe früher, manchmal auch jetzt noch, sehr damit gekämpft, aber wenn ich einfach alles mal ausblende, bin ich doch ziemlich zufrieden damit wie ich aussehe (bis auf die Paar Kilo, die ich jetzt in der Beziehung raufbekommen habe /:) )

  11. schöner Bericht! mehr davon! 🙂 ich persöhnlich fand nie, dass du auf irgend einem Foto zu dick aussiehst. Im Gegenteil finde ich deine Figur total hübsch auf den letzten Fotos! Die Gesellschaft und die Schönheitsideale sind wirklich sehr schlimm. Ich bin keine Ausnahme, auch wenn ich mich seit einigen Jahren öfter mag, als nicht mag. Das liegt daran, weil ich meinen eigenen Stil gefunden habe und nur noch das trage und mache, was mir gefällt, ohne auf doofe Kommentare anderer zu achten. Vor allem bezüglich meiner Mutter, damit hatte ich immer sehr zu kämpfen. Sie ist der Meinung, man solle vor allem Kleidung tragen, die negative Dinge und Stellen am Körper kaschieren und verdecken (diese Kleidungsstücke sind aber meistens langweilig oder ziemlich hässlich), anstatt bestimmte, positive Dinge am Körper zu betonen. Ich trage gerne Röcke und Kleider und kaum Hosen. Ich mag meine Beine und zeige sie gern her. Das fand sie immer doof, weil das einen angeblich kleiner erscheinen lässt und ich bin halt etwas kleiner. Meine Röcke sind ihr viel zu kurz und viele Leggings, die ich hab mag sie nicht, weil sie die Muster drauf zu auffallend für die Umgebung fand. Als Jugendliche habe ich mich sehr davon beeinflussen lassen, trug die ganze Zeit schwarz und total basic geschnittene Klamotten oder weite Pullis etc. Schrecklich, wenn ich zurück blicke. Man sollte so aussehen dürfen, wie man möchte und sich darin wohl fühlen können. Manchmal hab ich das Gefühl, dass die Leute einem das nicht gönnen, wenn man rundum glücklich ist mit dem, was man hat.

  12. Hallo liebe Thi,

    ich finde den Post super! Ich glaube damit hilfst du vielen Mädels, aber auch Frauen, die mit sich selbst unzufrieden! Da man eigtl. denkt, das es bei dir keinen Grund gibt unzufrieden zu sein. Ich dachte immer „wie kann die so viel essen und so eine geile Figur haben“ 😉 Ich selbst war sehr lange unzufrieden mit meinem Körper, „keine Oberweite und dicke Beine“, aber mittlerweile bin ich (ziemlich ;)) im Reinen mit mir!

    Und noch etwas 🙂 Ich verfolge deinen Blog schon sehr lange und fand ihn von Anfang an toll, egal ob es um Make-up oder Essen geht. Man hat auch eine Entwicklung gesehen, wie du schreibst und auch deine Bilder! Durch diese „Rubrik“ von Artikeln hebst du Kawaii-Blog, meiner Meinung nach, auf eine neue Ebene – erwachsener! Und das finde ich echt gut 🙂

    LG Anna von http://www.annasjunk.blogspot.com

  13. sehr interessanter post liebe thi 🙂 danke, dass du deine erfahrungen mit uns teilst! ich selbst habe manchmal noch kurze phasen, wo ich mich sehr unzufrieden in meinem körper fühle (insbesondere vor der periode??), aber ich muss sagen, dass sich mein selbstbild schon sehr viel gebessert hat, im gegensatz zu früher, wo ich abends immer gehungert habe, um diese ‚perfekten maße‘ zu erreichen. als ich mit meinem jetzigen freund zusammen kam, hat er mir das gefühl gegeben perfekt zu sein (tut er immer noch :-)), jedenfalls in seinen augen. und das hat mein selbstwertgefühl sehr aufgebaut. im moment bin ich ziemlich zufrieden mit mir, versuche mein gewicht mit sport und gesunder ernährung zu halten, aber gönne mir öfters was, als früher :brown:

    :-* Alice

  14. Das ist wirklich doof, wenn man mit seinem Körper so lange Zeit unzufrieden gewesen ist…
    Eigentlich war mein Gewicht auch ganz okay, aber ich habe mir jetzt trotzdem vorgenommen abzunehmen, weil mein Freund mir an den Kopf geworfen hat, ich wäre zu schwer für mein Pony…
    Mal sehen, wie viel daraus wird, weil meine Gedanken sich gefühlt nur noch um essen drehen…
    Liebe Grüße

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